Lissabon zur Ferienzeit

Der deutsche Himmel bleibt grau und verschlossen, der Stapel zu schreibender Hausarbeiten wird auch irgendwie nicht kleiner… und dabei mangelt es schon an Energie, überhaupt mal eines der seit drei Monaten ausgeliehenen und gut gehüteten Bücher überhaupt aufzuschlagen? Dann ist es eigentlich Zeit für einen Kurztrip – einfach ein paar Tage raus aus der Miefbude, mit Freunden oder um neue Freunde kennen zu lernen.

Warum Lissabon?

Mit ihren engen, mittelalterlichen Gässchen ist die portugiesische Hauptstadt an der Mündung des Tejo ein Idyll für alle, die romantische Altstädte mit einem dezent morbiden Charme vergangener Jahrhunderte lieben. Das Stadtbild der einstmals prunkvollen Handelsstadt ist heute vorwiegend von Bauten aus dem späten 18. Jahrhundert geprägt. Der Grund: Im Jahre 1755 legte ein Erdbeben die Stadt in Schutt und Asche. Das Beben ging als „Erdbeben von Lissabon“ in die Annalen der Geschichte ein – und prägte wie keine andere Naturkatastrophe die Kultur des 18. Jahrhunderts. Gelehrte in ganz Europa von Voltaire bis Goethe regte es zu Reflexionen über göttliche Gerechtigkeit an. Nicht nur Historiker und Philosophen schätzen aber heute die geschichtsträchtige Hauptstadt Portugals. Mit ihrer Lage in Meeresnähe und unweit mehrerer Nationalparks, mit ihren zahllosen Museen, ihrer charmanten Altstadt, mit einer lebendigen Musikszene und quirligem Nachtleben ist sie auch bei Studenten als Reiseziel beliebt.

Altstadt mit Charme

Die Altstadt ist natürlich die Hauptattraktion Lissabons – mit ihren verwinkelten Gassen, gesäumt von historischen Fassaden hat sie sich viel von ihrem ursprünglichen Charme bewahrt. Zwar ist die marode Bausubstanz auch eines der Hauptprobleme der Stadt; zugleich bleibt sie dadurch, im Gegensatz zu vielen anderen historischen Stadtkernen, authentisch und wirkt nicht überfrachtet von Souvenirgeschäften. Überwiegend von Touristen genutzt ist zwar die historische Straßenbahn, doch lohnt sich eine Fahrt unbedingt. Auf einer Gesamtstrecke von 25 km kann man mit der Schmalspurbahn zum günstigen Preis bequem die Stadt an sich vorbeiziehen lassen und bei gemächlichem Tempo schöne Fotos machen.

Erstklassige Museen

Wer Kunst und Museen liebt, muss in Lissabon wahrlich nicht Not leiden. Für Kunstfreunde empfiehlt sich der Besuch des Museu Nacional de Arte Antiga, den Museum für alte Kunst, wo sich neben Werken bedeutender europäischer Künstler wie Dürer und Raffael vor allem eine große Sammlung portugiesischer Kunst befindet. Modernere Kunstwerke finden sich im Museu Calouste Gulbenkian. Da Portugal bekanntermaßen eine Kolonialmacht war, ist auch die Sammlung ethnographischer Artefakte im Museu de Etnologia vielseitig und sehenswert – insbesondere natürlich für angehende Ethnologen. Etwas ganz Außergewöhnliches ist das Kutschenmuseum: Es zeigt Kutschen vom 16. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert.

Musikszene und Nachtleben

Wer nach seinem Stadtbummel durch die Altstadt oder einem Tag im Museum abends noch etwas erleben möchte, hat eine breite Auswahl an Nachtclubs, Discos und Bars. Besonders interessant ist es natürlich, sich auf die lokale Musikkultur einzulassen und ein Fado-Restaurant zu besuchen. Fado, was auf Portugiesisch so viel bedeutet wie „Schicksal“, ist eine traditionelle Musikgattung, die wohl auf die Lieder der Seeleute zurückgeht. Die meist tragischen Lieder werden begleitet von einer portugiesischen und einer klassischen Gitarre vorgetragen. In Lissabon gibt es heute neben einigen auf touristisches Publikum ausgerichteten Spielstätten immer noch auch die ursprünglicheren Restaurants und Bars, in denen Fado gespielt wird. Beides hat seinen Vorzug: Während man in den kommerzieller orientieren Restaurants ausgewählte lokale Künstler im Live-Konzert hören kann, kann es in einem der traditionellen Spielorte passieren, dass man in den Genuss kommt, selbst mitzusingen. Die Performance dort ist spontaner und weniger „durchgeplant“. Mindestens ein Fado-Abend ist aber in jedem Falle Pflicht auf einem Lissabon-Trip mit Freunden!

Natur in der Umgebung erkunden

Nicht nur die Stadt selbst, sondern auch das Umland Lissabons ist ausgesprochen attraktiv. Der Atlantik ist nur einen Steinwurf entfernt, ebenso verschiedene Naturparks wie der Parque Natural de Sintra-Cascais. Dort kann man wandern, radeln und auch ganz einfach einmal frische Luft tanken und am Strand entspannen. Waldwege, Küstenwege und Strecken durch die offene hügelige Küstenlandschaft wechseln sich ab. Teil des knapp 15.000 Hektar großen Areals des Parque Natural de Sintra-Cascais ist auch ein Gemüsegarten, in dem biologisch Gemüse und Obst kultiviert wird. Im Sommer kann dieses von Besuchern auf einem Markt direkt vor Ort gekauft werden. Ebenfalls lohnenswert ist das nahe gelegene Farol Museu de Santa Marta, ein Leuchtturmmuseum. Dort erfahren Besucher nicht nur alles über die Geschichte des Leuchtturms, sondern genießen auch einen wunderschönen Ausblick über das Meer und die umliegende Landschaft.

Fazit: Gute Wahl zum Energie tanken und Durchatmen

Wer also einfach mal weg muss vom Hausarbeiten- und Klausurenstress, wer einfach mal neue Leute kennen lernen will oder mit Freunden etwas Schönes erleben, der sollte unbedingt ein paar Tage nach Lissabon. In Hostels oder beim Couchsurfing lässt sich die Stadt günstig entdecken – und man lernt schnell interessante Menschen kennen. Der perfekte Auftakt für die Semesterferien also!

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|| Last change: 26-05-2018
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